Mein, dein, unser Porträt: Einfache Fotoprojekte für die Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdbild

Unten stehender Artikel von Oliver Spalt wurde zuerst auf den Seiten der Medienfachberatung Oberbayern veröffentlicht. Unter https://medienfachberatung.de/oberbayern/ finden sich viele weitere hilfreiche Tipps, Projektideen und Materialien rund um das Thema „Medien für Kinder und Jugendliche“. Zudem bietet die Medienfachberatung Information, Unterstützung und Schulung für Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, an.
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Die Fotografie wurde seit ihren Anfängen für das Erstellen von Porträts genutzt. Mit die ersten Fotografien waren Selbstbildnisse und Porträts von anderen, meist berühmten Personen. In der Porträtfotografie geht es um Identität, um Selbstreflexion und um die Wirkung des eigenen Bildes auf andere.

Pädagogisch können Porträts für viele Themen genutzt werden:

  • Porträts helfen, das Gegenüber zu erkunden. Wenn ich jemanden porträtiere, versuche ich, mich auf mein Gegenüber einzulassen. Zwischen dem Fotografen und dem Porträtierten entsteht eine zwischenmenschliche Beziehung.
  • Kinder lernen durch die Beschäftigung mit ihrem Porträt ihren Körper aus einer Außenperspektive kennen. So stärken sie ihr Selbstkonzept und können ein positives Selbstbild entwickeln. Sie lernen, sich als Individuum mit ganz eigenen Körpermerkmalen und Eigenschaften zu sehen und diese im Umgang mit anderen zu nutzen.
  • In der Jugendphase spielen die Themen Identität und Körper eine besondere Rolle. Porträtfotografie kann hier helfen, den eigenen Körper in einem anderen Licht zu sehen und sich mit dem eigenen Aussehen und der Identität auseinander zu setzen. Zudem können Jugendliche unterschiedliche Ausdrücke und „Images“ ausprobieren, um zu sehen, wie diese auf andere – und auf sich selbst – wirken.
  • Die Beschäftigung mit Porträts kann auch die Gruppenidentität steigern. Kinder können sich für Porträts verkleiden und Szenen spielen. Jugendliche können in Porträts Merkmale ihre Jugendkultur ins Bild bringen. Durch das „Verschmelzen“ von Porträts mehrerer Personen zu einem neuen Bild werden gemeinsame Erlebnisse, ein gemeinsames Selbstbild und viele Verbindungen geschaffen, die sich konstruktiv auf die Gruppe auswirken.

Im Folgenden möchte ich zwei kleine, einfach durchführbare Techniken vorstellen, die für alle Altersgruppen gut geeignet sind. Es handelt sich dabei weitestgehend um „analoge“ Techniken, also Projekte, für die weitestgehend weder ein PC noch eine App gebraucht wird. Einzig bei den „zusammengesetzten Gesichtshälften“ braucht es einen digitalen Zwischenschritt. Dies scheint mir aus mehrere Gründen zweckmäßig:

  • In kleineren Gruppen hat jede/r Beteiligte eine Beschäftigung. Niemand sitzt herum und schaut den anderen zu. Durch das gemeinsame Handeln wird das soziale Lernen und die Gruppenerfahrung gestärkt.
  • Die Methoden lassen sich auch mit Kindern ab dem Kindergartenalter durchführen. Diese Zielgruppe braucht das haptische Erfahren und das Lernen durch körperliche Bewegungsabläufe für die psychomotorische Entwicklung und tut sich mit den abstrakten Abläufen digitaler Prozesse noch relativ schwer.
  • Die beiden Projekte lassen sich gut in der vorgestellten Reihenfolge aufbauen.

Hier die dazu nötigen Schritte:

Anfertigen und Ausdrucken der Porträts

Für die beiden unten vorgestellten Techniken benötigt man Porträts, die die Beteiligten gegenseitig anfertigen. Alle Fotos sollten denselben neutralen Hintergrund haben. Idealerweise sind die Gesichter in den Porträts gleich groß. Wichtig ist, dass der Kopf bei der Aufnahme absolut gerade zur Kamera steht. Die Porträts können mit dem Smartphone oder einer Kamera aufgenommen werden.

Für die Methode „zusammengesetzte Gesichtshälften“ braucht es zudem ein spiegelverkehrtes Foto. Dazu kann man eine Bildbearbeitungsapp wie „Snapseeed“ von Google (mit dem Drehwerkzeug können dort Bilder gespiegelt werden) oder ein einfaches Bildbearbeitungstool des PC genutzt werden. Hier bieten sich das in Windows enhaltene Programm „Foto“, Apples „Fotos“ oder kostenlose Programme wie „IrvanView“ oder „XNView“ an. Nun wird jedes Bild ein mal ausgedruckt. Wer keinen Drucker zur Verfügung hat, kann auch zu einem Fototerminal in einem Geschäft gehen und dort die Bilder ausdrucken.


 

Zusammengesetzte Gesichtshälften

Zu unserem Schönheitsideal gehört unter anderem auch die Symmetrie des Gesichtes. Allerdings ist kein Gesicht absolut symmetrisch. Durch zwei gleiche zusammengesetzte Gesichtshälften fällt dies erst auf. Es ist schon alleine interessant, das nicht zerschnittene Bild mit dem Spiegelbild zu vergleichen. In der Regel wird von den Fotografierten ihr Spiegelbild als das schönere empfunden. Kein Wunder: Man sieht sich selbst ja vorwiegend im Spiegel. Noch verblüffender ist es, wenn man die scheinbar symmetrischen Gesichtshälften neu kombiniert.

Dazu teilt man das normale und das seitenverkehrt gespiegelte Porträt in je zwei Gesichtshälften. Die Bilder werden mit einer Schere oder einem Schneidemesser zerschnitten. Idealerweise läuft der Schnitt durch die Mittelachse des Gesichts, also zwischen den Augen, durch die Nase und durch die Mitte des Mundes. Dann werden sie neu zusammengesetzt. Es entsteht ein Bild aus zwei linken und eines aus zwei rechten Gesichtshälften. Diese perfekt symmetrischen Bilder werden sich vermutlich stark unterscheiden.


 

Mix-Max Bilder

Vielen ist aus der Kindheit das Mix-Max Spiel bekannt: Es handelt sich um ein Bilderbuch, das der Breite nach in drei Streifen geschnitten ist. Wenn es sich z.B. um ein Tier-Mix-Max handelt, so zeigt der obere Streifen den Kopf, der mittlere den Rumpf und der untere die Beine. Die verschiedenen Teile können beliebig kombiniert werden und es entstehen viele neue lustige Tiere. Dies kann man sehr gut mit Porträts mehrerer Personen selber machen.

Für die Mix-Max Bilder benötigt man jeweils drei Porträts.

Die Bilder werden dann in drei Streifen geschnitten:

  • Haare und Stirn;
  • Augen und Nase;
  • Mund, Kinn und Hals.

Die Bildstreifen werden nun neu kombiniert. Beispielsweise die Stirnpartie des ersten Fotos mit der Nase des zweiten und dem Kinn des dritten Bildes. Die Endergebnisse können auf einem Karton aufgeklebt werden. So entstehen verblüffende neue Gesichter, die in der Gruppe für Heiterkeit sorgen. Aus drei Individuen werden drei neue „Mischpersonen“.

Natürlich kann man diese Mix-Max Bilder auch mit mehreren Schnitten oder mit Ganzkörperaufnahmen machen. Allerdings erfordert dies mehr Planung und Koordination bei der Durchführung. Alle Personen sollten exakt gleich stehen, sonst stimmt beispielsweise die Position der Arme nicht überein.

Mix-Max Bilder lassen sich in altershomogenen Gruppen wie Kindergarten oder Schulklassen einsetzen aber auch um generationenübergreifende Projekte durchzuführen.

Beispiel für Mehrgenerationen-Mix-Max-Bilder:

 

 

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Bildnachweis: Alle hier verwendeten Porträts wurden künstlich generiert. Photos by Generated Photos: https://generated.photos/

Sep 23rd, 2020 | By | Category: pädagogische Fotoprojekte

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