Wieder beliebt: Die Kollodium-Nassplatten-Fotografie

Die ersten Sofortbilder in der Geschichte der Fotografie

(Text und Fotos von Ralf Bräutigam)

In der letzten Zeit erlebt mit der Kollodium-Nassplatten-Fotografie ein sehr altes fotografisches Verfahren eine neue Blüte. Das Verfahren wurde 1851 von Frederich Scott Archer und Gustave Le Gray entwickelt. Weil es einfacher und günstiger war, als die zu dieser Zeit verbreitete Daguerrotypie, erfreute sich das nasse Kollodium-Verfahren sehr schnell großer Beliebtheit. Nun konnte sich fast jeder ein Portrait von sich oder seiner Familie leisten. Auch konnten ganz neue Anwendungsgebiete für die Fotografie erschlossen werden.

Ein Kollodium-Nassplatten-Porträt
Ein Kollodium-Nassplatten-Porträt

So nahm in dieser Zeit die Reisefotografie ihren Beginn. Der Fotograf hatte allerdings sehr viel Gepäck, denn von den Bildträgern, zumeist Glasplatten, und der Chemie abgesehen, musste er auch ein Dunkelkammerzelt mit sich führen. Diesem großem Materialaufwand stand ein zeitlicher Vorteil gegenüber: Die Zeitspanne, in der sich die beschichtete Platte verarbeiten lässt (also fotografieren und entwickeln), war für die damalige Zeit mit ca. 15 Minuten sehr kurz.

Das Verfahren an sich ist relativ einfach. Eine Glasplatte wird mit mit einer iod- und bromsilberhaltigen Kollodiumschicht versehen, nach der Belichtung mit einer Eisensulfatlösung entwickelt, mit Natriumthiosulfat fixiert und anschließend mit einer Firnis versehen.

Mit einer alten Plattenkamera wird das Motiv auf die noch feuchte Platte belichtet
Mit einer alten Plattenkamera wird das Motiv auf die noch feuchte Platte belichtet

Das einfache Verfahren und die kurze Bearbeitungsdauer machte Kollodium-Nassplatten-Fotos zum Verkaufsrenner – vor allem in der Studio-Porträtfotografie. Die Fotografen hinterlegten die Glasnegative mit schwarzen Samt oder schwärzten die Rückseite mit einer Asphaltschicht (Ambrotypie) oder belichteten direkt ein schwarz lackiertes Eisenblech (Ferrotypie). Vor diesem dunklen Hintergrund wirkt das Bild wie ein Positiv. An den durchsichtigen Stellen wird der schwarze Hintergrund sichtbar. Die dichten Stellen des Negativs erscheinen durch das graue Silber wie weiß. So konnte der Kunde sein Unikat sozusagen als Sofortbild gleich mit nach Hause nehmen.

Kollodium-03
Nach der Entwicklung hält man das Negativ in den Händen

Heute erfreut sich die Kollodium-Nassplatten-Fotografie wieder neuer Beliebtheit. Eine immer größer werdende Zahl an Fotografen experimentiert mit diesem uralten Verfahren und nutzt es für Porträtfotografie und Naturaufnahmen.

 

Hier noch zwei Links zum Thema:

http://www.ianruhter.com/
Ian Ruther ist ein Fotograf, der sich ganz der Kollodium-Fotografie verschrieben hat. Vor allem der Film „Silver and Light“ ist sehenswert.

http://kollodium.blogspot.de/
Andreas Reh beschreibt hier sehr schön seinen Weg zur Kollodium-Nassplatten-Fotografie. Auf der Seite ist auch eine Kollodiumformel zu finden, die nicht ganz so giftig ist, wie die ursprüngliche.

 

Kollodium-Nassplatten-Fotografie selbst ausprobieren

Im Rahmen des Fotowochenendes in der Jugendbildungsstätte Königsdorf vom 28.11.14 bis 30.11.14. besteht die Möglichkeit, dieses erste Sofortbildverfahren der Fotografie kennenzulernen. Näheres dazu unter 
http://www.fotopaed.de/seminare/fotolabor-20-analog-oder-digital/

Sep 26th, 2014 | By | Category: Ideen und Tipps

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