Anleitung: Eine Keksdose wird zu einem echten Fotoapparat!

Lochkamera: Step by Step

Viele Kinder aber auch Erwachsene scheinen es gar nicht zu glauben, dass man sich selbst ohne großen Aufwand eine voll funktionsfähige Kamera bauen kann.

Sowohl der Zeit- als auch der Materialaufwand halten sich dabei in Grenzen. In etwas mehr als einer halben Stunde wird aus einer Keksdose ein Fotoapparat, mit dem man gleich darauf seine ersten Bilder machen kann!
Der Bau einer Lochkamera kann mit kleinen bis mittleren Gruppen durchgeführt werden. Bereits Kinder ab dem Grundschulalter können das Prinzip der “Camera Obscura” (Dunkler Raum) verstehen und ihre eigenen Apparate bauen. Wie kaum ein anderes Medium in der Fotografie lässt die Lochkamera den Fotografen die “Magie des Lichteinfangens” erleben. Ganz nebenbei vermittelt der Bau und die Anwendung der Camera Obscura die notwendigen geschichtlichen und technischen Grundlagen für die Schwarzweiß-Fotografie.

Mit wenig Material lässt sich aus einer Keksdose eine Fotokamera bauen.

 

Die Keksdose zur Kamera umbauen:

1. Alles vorbereiten

Zur Herstellung der Kamera braucht man ca. eine halbe Stunde Zeit und:

  • 1 Dose (z.B. Keksdose)
  • 1 Mattschwarzes Spray (am besten Autolack)
  • 1 Bohrer (ca 4 mm – bis 6 mm)
  • 1 Schwarzes Klebeband
  • 1 Nadel
  • 1 Aluminium Klebeband
  • 1 Feuerzeug

 

2. Besprühen der Dose

Damit die Kamera Obscura auch funktioniert, muss sie innen absolut schwarz sein. Dazu besprüht man die Dose innen mit dem schwarzen Lackspray. Wenn nach ca. 10 Minuten die erste Schicht angetrocknet ist, wird noch eine Farbschicht aufgetragen.

 

Zuerst die Keksdose mit schwarzem Lack innen ansprühen.

3. Bohren des Loches

Mit dem Bohrer wird im Deckel der Keksdose ein Loch gebohrt. Scharfe Kanten müssen eventuell mit einer Feile entschärft werden.

 

4. Anfertigen des “Objektivs”

Auf das ausgebohrte Loch wird nun das Aluminium-Tape geklebt. Mit einer Nadel wird anschließend ein kleines Loch in das Klebeband gestochen. Dadurch erhält man ein sehr kleines, dünnwandiges Loch, das zu guten Abbildungsergebnissen führt. Dies wäre mit einem Bohrer sehr schwer zu erreichen. Dieses “Miniloch” bildet das Objektiv der Kamera.

 

Nachdem mit einem Bohrer ein großes Loch gebohrt wurde, klebt man das Alutape auf dieses Loch und sticht mit einer kleinen Nadel ein kleines Loch.

5. Endkontrolle

Jetzt ist die Kamera fertig. Es bleibt nur noch zu kontrollieren, ob der Deckel richtig schließt und lichtdicht ist. Sollte das nicht der Fall sein, kann man den Dosenrand mit schwarzem Klebeband abdichten.

Bitte auch nachsehen, ob sich das Loch nicht wieder zugezogen oder verändert hat.

Dann kann es losgehen …

 

 

Fotografieren mit der Camera Obscura

Auch das Fotografieren mit der Lochkamera und das Entwickeln der Bilder ist denkbar einfach. Hier kann man auf sehr spielerische und motivierende Art und Weise die notwendigen Schritte für die Dunkelkammerarbeit erlernen. Die Grundschritte der Bildentwicklung sind exakt dieselben wie bei der Schwarzweiß-Fotografie.

Die dabei entstehenden Fotos haben ihre ganz eigene Ausstrahlung. Sie sehen aus wie Bilder aus der Pionierzeit der Fotografie, haben etwas Magisches und bestechen durch ihre ungewöhnlich große Tiefenschärfe.

 

1. Vorbereitungen – Ein einfaches Fotolabor entsteht.

Um mit der Lochkamera fotografieren zu können, benötigt man ein kleines, selbstgemachtes Fotolabor. Keine Angst, da ist nicht so viel zu machen, wie man zunächst befürchtet. Wenn man einen geeigneten Raum hat, ist das Labor in weniger als einer halben Stunde betriebsbereit. Man braucht:

  • 1 abgedunkelten Raum: Er sollte absolut lichtdicht sein und nach Möglichkeit ein Waschbecken haben. Sehr gut eignet sich eine Küche oder ein Bad. Es geht aber auch eine Abstellkammer, in die eine Wasserwanne gestellt wird. Falls der Raum Fenster hat, so kann man diese sehr gut mit Pappkarton und schwarzem Klebeband abdecken. Größere Fenster oder Türen kann man mit lichtdichter Folie (Teichfolie vom Baumarkt) zuhängen.

  • 1 Rotlicht: Eine rote Birne, die im Fotogeschäft gekauft wird. Das Rotlicht kann entweder in die Deckenlampe oder in eine Schreibtischlampe oder Ähnliches geschraubt werden.

  • 1 Vergrößerer oder eine Schreibtischlampe mit Glühbirne: Diese punktuelle Lichtquelle wird benötigt, um das Fotopapier zu belichten. Ideal ist ein Vergrößerer, wie er in einem normalen schwarzweiß Labor verwendet wird. Aber auch mit der Schreibtischlampe oder einem Halogenspot lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

  • 3 Schalen für die Bildentwicklung: Dies können Laborschalen sein, es gehen aber auch tiefe Suppenteller, kleine Töpfe oder Plastikschalen. Die Schalen werden nebeneinander auf eine Arbeitsfläche (z.B. die Küchenzeile) gestellt.

  • Fotochemie: Man benötigt einen Papierentwickler und einen Fixierer. Beides kann man im Fotogeschäft kaufen (je ca. 10 € pro Liter Konzentrat). Zusätzlich noch etwas Essigkonzentrat. Entwickler und Fixierer werden nach Gebrauchsanweisung verdünnt. In die linke der drei Laborschalen wird ein Liter angesetzter Entwickler gegossen. In die mittlere ein Liter Wasser mit einem Schuss Essigkonzentrat (das ergibt das Stoppbad). In die rechte Schale kommt der angesetzte Fixierer.

  • Fotopapier: Am besten Multigrade PE Papier der Größe 9×13 oder 13×18. Bitte kein Baryt Papier, da dies von der Handhabung her sehr kompliziert ist.

  • 1 Papierklebeband: Mit dem Klebeband wird das Fotopapier bei Rotlicht in der Dose gegenüber dem Loch befestigt.

  • 3 Laborzangen: Sie werden benötigt, um das Papier zu greifen, wenn es in der jeweiligen Wanne liegt. Die Zangen können ebenfalls im Fotohandel gekauft werden. Je eine Zange zum Entwicklerbad, zum Stoppbad und zum Fixierbad legen. Während der Entwicklung darauf achten, dass die Zangen nie in das Nebenbad geraten, da sich die Chemie sonst schneller verbraucht.

  • 1 Glasplatte: Hier kann das Glas eines Bilderrahmens genommen werden.

Eine einfache Entwicklungsstation mit drei Bädern. Anstelle der Laborwannen kann man auch einfache Plastikschalen nehmen.

 

2. Aufbau der Dunkelkammer

Falls die Räumlichkeiten es zulassen, ist es sinnvoll die Geräte und Schalen in der Reihenfolge der einzelnen Arbeitsschritte aufzustellen: Das wäre von links nach rechts: 1. Vergrößerer oder Schreibtischlampe, 2. freie Arbeitsfläche (um das Fotopapier abzulegen), 3. Entwicklerbad, 4. Stoppbad, 5. Fixierbad, 6. Waschbecken (oder eine Wanne mit Wasser).
Nicht vergessen: den Raum abdunkeln, das Rotlicht einschrauben und los geht’s.

 

3. Einlegen des “Films” – nur bei Rotlicht

Als “Film” dient ein Fotopapier, das hinten in den Boden der Dose geklebt wird. Dies muss bei Rotlicht geschehen, da das Fotopapier sonst belichtet wird.

Mittels solcher Klebepunkte wird das Fotopapier in der Dose befestigt.

Jetzt muss die Dose nur noch mit dem Deckel verschlossen werden und die Kamera ist “geladen”. Bei normalem Licht und wenn die Dose zum Fotografieren hinausgenommen wird, muss das Loch immer mit einem Finger zugehalten werden.

 

4. Alles braucht seine Zeit – das Fotografieren

Jetzt kann man mit diesem Dosenfotoapparat auf Motivsuche gehen. Das Loch muss natürlich zugehalten werden!
Zum Belichten die Dose hinstellen, den Finger wegnehmen und im Anschluss wieder das Loch zuhalten.

Die Belichtungszeit muss durch Ausprobieren ermittelt werden. Sie hängt von der Größe der Dose, der Lochgröße und der Lichtintensität ab. Die hier gebaute Beispielkeksdose hatte an einem schönen Sommertag bei einer Lochgröße von 1 mm eine Belichtungszeit von 5 Sekunden. Im Schatten können es schon mal 30 Sekunden und an wolkigen Tagen auch mehrere Minuten werden.

Am besten ist es, mit 10 Sekunden anzufangen, das Negativ zu entwickeln und in einem neuen Versuch die Belichtungszeit zu korrigieren.

Da die Belichtungszeiten in der Regel sehr lang sind, sollte die Kamera zum Fotografieren ruhig stehen.

 

5. Das Negativ entsteht – nur bei Rotlicht

Das Negativ wird wie jedes Fotopapier in der Dunkelkammer entwickelt: Es wird aus der Dose geholt (nur bei Rotlicht!) und in den Entwickler gelegt. Nach Ablauf der Entwicklungszeit (siehe Gebrauchsanweisung des Entwicklers) wird es für 30 Sekunden in das Stoppbad gegeben und dann fixiert (wie lange, steht in der Gebrauchsanweisung des Fixierers). Im Anschluss muss es noch mindestens 5 Minuten (im Waschbecken oder einer Wanne) gewässert werden.

Das Negativ ist dann brauchbar, wenn es sowohl schwarze als auch weiße Bereiche im Bild enthält und wenn das Motiv gut erkennbar ist. Zu helle oder zu dunkle Negative geben keine befriedigenden Positive. In diesem Fall sollte man die Belichtungszeit neu bestimmen (zurück zu Schritt 4). Ist das Negativ zu dunkel, muss man die Belichtungszeit verkürzen, ist es zu hell, muss man sie dementsprechend verlängern.

Ein so belichtetes Negativ liefert gute Ergebnisse.

 

6. Es wird positiv – Das Foto entsteht

Nach der Wässerung wird bei Rotlicht ein “Nassabklatsch” gemacht, um das Positiv zu erhalten:
Dazu wird ein unbelichtetes Fotopapier ca. 2 Minuten lang vorgewässert. Das nasse Negativ wird nun so auf das unbelichtete Papier gelegt, dass beide Bildseiten zueinander zeigen. Beide werden unter den Vergrößerer gelegt (das Negativ oben) und mit einer Glasplatte plangehalten. Jetzt wird belichtet.

Anstelle des Vergrößerungsgerätes kann man auch eine einfache Schreibtischlampe zum Belichten der Positive verwenden.

Das belichtete Negativ wird BEI ROTLICHT auf ein noch unbelichtetes Fotopapier gelegt. Beide Papiere werden mit einer Glasplatte zusammengedrückt. Dann erfolgt die Belichtung durch die Schreibtischlampe oder den Vergrößerer.

Die richtige Belichtungszeit muss ebenfalls durch Ausprobieren ermittelt werden. Ist das Positiv zu hell, muss (mit einem neuen Fotopapier) länger belichtet werden, ist es zu dunkel, muss die Belichtungszeit verkürzt werden. Das so entstandene Positiv ganz normal entwickeln, stoppwässern und fixieren. Das fertige Foto sollte ebenfalls mindestens 5 Minuten gewässert werden.

Wenn alles gut geht hat man innerhalb einer halben bis einer Stunde das erste mit einer Keksdose fotografierte Bild in den Händen !

Das fertige Positiv hat mit seinem weichen Bildlook einen besonderen Charme.

Viel Spaß mit der selbstgebauten Lochkamera !!

Okt 8th, 2018 | By | Category: Kameras, Hardware und Labor

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