Fotopädagogik Outdoor

Autor: Felix Bassler, 2010

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird die Kunstpädagogik mit Schwerpunkt Fotografie in der Erlebnispädagogik beschrieben. Dieses Thema habe ich gewählt, weil sich die Fotografie als kunstpädagogisches Medium sehr gut eignet, um Outdoor-Aktivitäten im erlebnispädagogischen Bereich umzusetzen.

Diese Arbeit legt dabei keinen Wert auf die geschichtliche Entwicklung innerhalb der verschiedenen dargestellten Disziplinen. Viel mehr wird eine rein inhaltliche Auseinandersetzung zwischen der kunst-/ fotopädagogischen und der erlebnispädagogischen Thematik beleuchtet.

Im Kapitel „Kunstpädagogik“ werden die allgemeinen künstlerischen Mittel, die sich für die allgemeine pädagogische Arbeit eignen, dargestellt und beschrieben. In diesem Zusammenhang werden auch die pädagogischen Lernziele der beschriebenen künstlerischen Mittel angerissen.

Darauf aufbauend wird im Kapitel „Fotopädagogik“ die Fotografie im Kontext zur Pädagogik ausführlicher behandelt. Dabei wird die Frage gestellt, welche Förderungs- und Bildungsziele die Fotopädagogik verfolgen kann. In diesem Kapitel werden bereits Möglichkeiten ersichtlich, die sich zur erlebnispädagogischen Arbeit eignen könnten. Dennoch liegt hier der Schwerpunkt auf Lernzielen im allgemeinen pädagogischen Rahmen.

Zuvor wird im Kapitel „Erlebnispädagogik“ diese im Allgemeinen dargestellt. Eine potenzielle Wirksamkeit dieses Bereiches wird anhand von Ergebnissen der modernen Lernforschung aufgelistet.

Im Kapitel „Künstlerische Medien in der Erlebnispädagogik“ wird beispielhaft nach „dem“ Einsatzort von künstlerischen Medien innerhalb der Erlebnispädagogik gesucht. Dabei wird als „Ort“ zwischen Out- und Indoor-Pädagogik differenziert.

Als praktisches Beispiel sei auf das Projekt „Verortung“ verwiesen, das im Rahmen der Fortbildung „Fotopädagogik“ am deutschen Zentrum für Garten- und Landschaftsfotografie in Heidelberg umgesetzt wurde. Darin wird versucht, die im Kapitel „Fotopädagogik“ aufgeführten Lernziele weitgehend in diesen praktischen Kontext zu implementieren.

Das Schlusskapitel zieht ein Resümee aus den vorherigen Kapiteln.

2. Die Kunstpädagogik

Die Kunstpädagogik setzt sich mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln zur Bildung, Erziehung und Begleitung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auseinander. Der Begriff „Kunst“ innerhalb der Pädagogik bedeutet nichts anderes, als anhand künstlerischer Mittel die sinnliche Erfahrung eines Menschen zu schulen und somit zu fördern. Schütz(1998) hat in seinem Buch „Die Kunstpädagogik öffnen“ die Schulung der Wahrnehmung im kunstpädagogischen Rahmen wie folgt beschrieben:
„Wenn aisthesis sinnliche Wahrnehmung bedeutet, so wäre ästhetische Erziehung eine Ausbildung der Sinne, ein Unterricht im Bereich der Sinnlichkeit, eine Erziehung durch die Sinne oder sehr allgemein: spielender, lernender und arbeitender Umgang mit ästhetischen Gegensätzen.“ (Seite 9)* Laut Holzbrecher und Schmolling (2004) gilt auch, dass sich durch eine kunstpädagogische Auseinandersetzung folgende Kompetenzbereiche aufweisen: „((…) die sichtbare Realität bewusster wahrzunehmen“; „die kulturelle Bedingtheit der Wahrnehmung erkennen etc.)“(Seite 11)**.
Im Bereich der Kunstpädagogik werden für diese Zielsetzung verschiedene künstlerische Medien angewandt. Hier seien als Beispiel die künstlerischen Grundmittel aufgezählt: die Malerei und das Zeichnen, das Tonen und Basteln, sowie das Musizieren. Dies wird in der heutigen Zeit aber erweitert durch neue Medien wie: die Fotografie, das Video.

Im Folgenden soll nun ein besonderes Augenmerk auf die Fotografie bzw. Fotopädagogik gerichtet werden, da diese sich, wie sich später im Kapitel Erlebnispädagogik noch herausstellen wird, sehr gut mit der erlebnispädagogischen Arbeit verbinden lässt.

2.1 Die Fotopädagogik

Die Fotopädagogik ist eine kunstpädagogische Richtung, welche speziell mit dem Medium „Fotografie“ pädagogische Ansätze verfolgt. In dem Buch „Fotopädagogik und Fototherapie“ von Schafiyha(1997) wird dieser Ansatz wie folgt beschrieben:
In der Fotopädagogik fotografieren sich die Beteiligten gegenseitig, sich selbst oder ihren Lebensraum. (…) Die Förderung der Kreativität und die Anregung zur Selbstreflexion sind dabei zentrale Lernziele.“(Seite 58)***
Neben diesen allgemeinen Lernzielen, beschreibt Schafiyha(1997) konkrete Zielsetzungen innerhalb der Fotopädagogik:

– Förderung des visuellen Lernprozesses: (…) Die Förderung des visuellen Lernprozesses sowie die Disziplin, die für die fotografische Technik notwendig sind, haben eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit zur Folge.“ ****

Schuster(1996) zitierte in seinem Buch „Fotopsychologie“ in diesem Zusammenhang Craik u. Lockhardt: „Die Konzentration auf den richtigen Ausschnitt ist im Sinne der Gedächtnispsychologie auch eine >>tiefere Verarbeitung<<, die eine bessere Erinnerungsleistung bewirkt.“(Seite 57)*****

Weiter formuliert Schafiyha(1997):

– Förderung des taktilen Lernprozesses: Der Aufnahme- und Laborprozess fördert die technisch-manuellen Fähigkeiten, insbesondere die Feinmotorik. (…) Eine Förderung des Tastsinns hat gleichzeitig eine Verbesserung der Wahrnehmung des eigenen Körpers zur Folge. (…)
– Stärkung des Verantwortungsbewusstseins: Es ist wichtig, dass die Teilnehmer alles selber anfertigen und ihnen keine Handlungsschritte abgenommen werden. Eigeninitiative wird so angeregt und gefördert. Das selbstständige Arbeiten verhilft den Beteiligten dazu, in einem Bereich, der ihnen Spaß macht Verantwortung zu tragen und stolz darauf zu sein. Dies unterstützt gleichzeitig ein positives Sozialverhalten innerhalb der Gruppe.
– Befähigung zur Medienkritik: Die eigene Fotoproduktion sollte dazu beitragen, Fotos und Zeitschriften und Werbung bewusster wahrzunehmen und auf diese Weise weniger manipulierbar zu werden. (…)
– Förderung der Handlungsfähigkeit: Die Befähigung, mit der Technik umgehen zu können, soll den TeilnehmerInnen größeres Vertrauen in ihre Handlungsfähigkeit verschaffen. (…)
– Förderung der Selbstidentifikation: Im >>stummen Dialog<< mit dem Selbstbild wird eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie, der eigenen Präsentation sowie der psychischen Verfassung ermöglicht, die zu einer erhöhten Akzeptanz der eigenen Person führen sollte. (…)
– Förderung eines positiven Konflikt- und Sozialverhaltens: Durch die Stärkung der eigenen Sicherheit sollen auffällige Konflikt- und Kompensationsmuster im Sozialverhalten reduziert werden. (..)
– Förderung der sinnlich-ästhetischen Wahrnehmung: Mit der kreativen Umsetzung der eigenen Ideen werden Wahrnehmungsmöglichkeiten erprobt, die aktive Gestaltbarkeit des eigenen Selbstbildes bewusst, werde Experimentierfreudigkeit und Genussfähigkeit geweckt. Eine damit einhergehende Steigerung der Sinnlichkeit fördert die Intensität der Wahrnehmung und vergrößert gleichzeitig die Toleranz für Wahrnehmungsmöglichkeiten anderer Menschen.“******

Diese Zielsetzungen der Fotopädagogik lassen sich problemlos im Outdoor-Bereich umsetzen. Somit wird die Fotopädagogik zu einem „er-fahrbaren“ Erlebnis – der Erlebnispädagogik. Dabei tritt die Kamera als Medium in den Hintergrund und setzt die direkte Erfahrung mit der Umwelt in den Vordergrund, was Schafiyha(1997) wie folgt darstellt:
„Fotopädagogik ist Erziehung und Bildung mit Hilfe (Hervorhebung durch den Verfasser) des fotografischen Prozesses. Ziel ist es, in Form sozialer Interaktion und Kommunikation mit Hilfe (Hervorhebung durch den Verfasser) des Mediums Fotografie die Gruppenmitglieder zur Selbstständigkeit, zur Eingliederung in die Gesellschaft und zur Übernahme der jeweiligen Kultur anzuleiten.“(Seite 83)*******

Nach einer prägnanten inhaltlichen Zusammenfassung über die Erlebnispädagogik (Kapitel 4), werden verschiedenen künstlerischen Medien und deren Einbindung in den erlebnispädagogischen Bereich (Kapitel 5) thematisiert.

3. Erlebnispädagogik

Fischer und Ziegenspeck(2000) beschreiben den Begriff Erlebnispädagogik wie folgt: „Die Erlebnispädagogik versteht sich als Alternative und Ergänzung tradierter und etablierter Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Hört man heute das Wort Erlebnispädagogik, so kann davon ausgegangen werden, dass primär natursportliche Unternehmungen … gemeint sind.“ ******** Die potenzielle Wirksamkeit des so genannten „Outdoor Management Development“ wurde wie folgt von Fischer und Ziegenspeck(2008) in deren Buch „ Erlebnispädagogik: Grundlagen des Erfahrungslernens“ beschrieben

1. Ergebnisse des Experimential Learning und der modernen Lernforschung haben ergeben, dass Menschen dann am besten lernen und das Gelernte auch umsetzen, wenn der Erkenntnis- bzw. Verhaltensgewinn aus eigener Erfahrung resultiert und nicht bloß auf Übernahme fremden Wissens und Verhaltens beruht (entdecktes, offenes Lernen),
2. sie aktiv in den Lernprozess involviert sind,
3. die Lernsituationen authentisch sind und die Notwendigkeit zu handeln aus der Sache selbst kommt – mit realen Problemen und realen Problemsmöglichkeiten (Motivations-Vorteil),
4. das Lernen in dem Sinne ganzheitlich erfolgt, als dass kognitive, affektive, soziale und motorische Bereiche angesprochen werden und notwendig ineinander greifen müssen. Das führt zur Verankerung der Lernerfahrungen auf verschiedenen Persönlichkeitsebenen,
5. die Lernprozesse in einer stimulierenden Lernumgebung stattfinden, die nach den Prinzipien der Problemorientierung, der Sinn-Orientierung, der Reflexions-Orientierung und des Arbeitsbezuges organisiert ist,
6. zur Bewältigung von Innovation und Wandel das gesamte Team in einen gemeinsamen Lernprozess eingebunden ist und die neuen Erfahrungen und Einsichten nicht nur auf die Vorgesetzten und Experten beschränkt sind. Gegenseitige Lernverpflichtungen und Lernunterstützung sowie ein übergreifender Lerntransfer sind dann am größten, und die Qualität der Sozialbeziehungen im Team verbessert sich nachhaltig.“(Seite 275)*********

4. Künstlerische Medien in der Erlebnispädagogik

Dass die Erlebnispädagogik sich nicht nur auf die „realen“ Wahrnehmungsorgane des Menschen( das Auge, die Ohren, die Nase, der Mund und die Haut) bezieht, sondern ebenso durch künstlerische Medien ergänzt werden kann, soll hier beschrieben werden. Dabei stellt sich die Frage, in welchem Bereich der Erlebnispädagogik künstlerische Medien Anklang finden. Fischer und Ziegenspeck(2000) stellen dabei folgende Behauptung auf: „Die einseitige Ausrichtung auf Outdoor-Pädagogik muss aber in Zukunft zugunsten von … Indoor-Pädagogik abgebaut werden, denn gerade auch in den künstlerischen, musischen, kulturellen und auch technischen Bereichen gibt es vielfältige erlebnispädagogische Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Erlebnispädagogische Programme … beziehen die natürliche Umwelt mit ein und verfolgen damit meist zugleich einen ökologischen Bildungsanspruch.“(Seite 27)**********. Hier wird deutlich, dass die Erlebnispädagogischen Programme hauptsächlich auf die Durchführung im „Outdoor-Bereich“ ausgerichtet sind. Weiter beschreibt dieses Zitat , dass durch die Miteinbeziehung künstlerischer Medien in die Erlebnispädagogik der „Indoor-Bereich“ miteinbezogen muss. Somit erhält diese Aussage den Anschein, dass künstlerische Medien einzig im Indoor-Bereich durchgeführt werden können: Künstlerische Bereiche wie z.B. das Malen und Musizieren, oder die technischen Bereiche werden somit der Außenwelt – zumindest im Outdoor-pädagogischen Rahmen – ausgeschlossen. Um diesem Ansatz entgegen zu wirken, soll hier nun versucht werden, den kunstpädagogischen Bereich der Outdoor-Pädagogik nahe zu bringen. Dies, weil die Fotografie sich als eines der wenigen Medien dafür sehr eignet um „mit ihr“ draußen unterwegs zu sein. Anhand von dem folgenden praktischen Projektbeispiel, soll nun dargestellt werden, welche fotopädagogischen Lernziele im Outdoor-Bereich erfolgreich umsetzbar sind.

Quellenangabe:

*Helmut G. Schütz(1998): „Die Kunstpädagogik öffnen“, Schneider Verlag Hohengehren GmbH; Seite 9, 1. Absatz

**Holzbrecher, Alfred,; Jan Schmolling(2004): „Imaging. Digitale Fotografie in Schule und Jugendarbeit“; Seite 11, 3. Absatz

***Schafiyha, Liliane(1997): „Fotopädagogik und Fototherapie“; Beltz Verlag; Weinheim und Basel; Seite 58; 1. Absatz

****Schafiyha, Liliane(1997): „Fotopädagogik und Fototherapie“; Beltz Verlag; Weinheim und Basel; Seite 59-60,

*****Schuster, M.(1996): „Fotopsychologie“; Springer-Verlag Berlin Heidelberg; Seite 57, 1. Absatz

******Schafiyha, Liliane(1997): „Fotopädagogik und Fototherapie“; Beltz Verlag; Weinheim und Basel; Seite 59-63

*******Schafiyha, Liliane(1997): „Fotopädagogik und Fototherapie“; Beltz Verlag; Weinheim und Basel; Seite 83

********Fischer, Torsten; Ziegenspeck, Jörg(2000): „Handbuch Erlebnispädagogik – Von den Ursrpüngen bis zur Gegenwart“; Verlag Klinkhardt, Seite 27; 1. Absatz

*********Fischer, Torsten; Ziegenspeck, Jörg(2008): „Erlebnispädagogik: Grundlagen des Erfahrungslernens“; Verlag Klinkhardt; Seite 275, 1. Zeile

**********Fischer, Torsten; Ziegenspeck, W. Jörg(2000): „Handbuch Erlebnispädagogik – Von den Ursrpüngen bis zur Gegenwart“; Verlag Klinkhardt, Seite 27; 1. Absatz

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Autor: Felix Bassler, 2010